Unwinding by Gunda · Grundlagen
Atme tiefer.
Atme langsamer.
Atme in den Bauch.
Diese Anleitungen begegnen uns überall – in Yogakursen, in Stressmanagement-Seminaren, in Apps. Sie klingen vernünftig. Und trotzdem fühlen sie sich für manche Menschen dauerhaft anstrengend an, erzwungen, irgendwie falsch.
Was, wenn das kein persönliches Versagen ist?
Was, wenn der Fehler nicht bei dir liegt – sondern bei der Annahme, dass alle Menschen auf dieselbe Weise atmen?
Es gibt nicht eine richtige Art zu atmen. Es gibt zwei.
Manche Menschen atmen aktiv ein – der Brustraum öffnet sich, der Körper richtet sich auf, Kraft entsteht durch Ausdehnung. Das Ausatmen geschieht dann von selbst, passiv, ohne Mühe.
Bei anderen ist es genau umgekehrt – die Kraft kommt aus dem Ausatmen. Der Körper zieht sich leicht zusammen, wird ruhiger, dichter. Und die Einatmung folgt dann ganz von allein als Antwort des Körpers.
Es gibt zwei Arten, Mensch zu sein.
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Die lunare Qualität
Deine Kraft entsteht durch Ausdehnung. Der Brustraum weitet sich aktiv, die Rippen öffnen sich. Das Ausatmen darf dann einfach geschehen – passiv, ohne Mühe, wie ein Loslassen.
Wenn du versuchst, aktiv auszuatmen oder die Bauchatmung zu erzwingen, kann sich das dauerhaft fremd anfühlen – weil es gegen deinen natürlichen Rhythmus geht.
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Die solare Qualität
Du gewinnst Kraft aus Verengung. Dein Körper zieht sich beim Ausatmen leicht zusammen. Die Einatmung musst du nicht machen – sie geschieht ganz von allein als Antwort deines Körpers.
Wenn du immer wieder zum tiefen Einatmen aufgefordert wirst, kann das ermüdend wirken – weil es deinem System widerspricht, das die Einatmung lieber passiv geschehen lässt.
Wenn ein lunarer Atemlehrer alle seine Schüler zum aktiven Einatmen anleitet, werden manche davon langfristig Schwierigkeiten bekommen. Nicht die Methode ist schlecht, sie passt schlicht und einfach nicht für den solaren Atemrhythmus.
Wir sind von klein auf gewöhnt, dass andere uns sagen, was für uns richtig ist. Was für den einen stimmig ist, kann für den anderen dauerhaft anstrengend sein. Das betrifft nicht nur den Atem – es betrifft eine grundlegende Art, wie wir Kraft finden, wie wir zur Ruhe kommen, wie wir in der Welt stehen.
Für mich war das Kennenlernen der Atemtypen (nach Erich Wilk) und somit das Verstehen meines eigenen Atemrhythmus einer der wichtigsten Schlüssel zu mir selbst. Plötzlich haben viele Erfahrungen Sinn ergeben – warum sich bestimmte Anleitungen immer seltsam angefühlt haben, warum manche Übungen mich ermüden statt beleben, warum ich manches einfach nicht umsetzen konnte.
Wenn du einmal verstehst, wie dein Atem wirklich funktioniert, hörst du auf, gegen dich selbst zu arbeiten. Es fühlt sich an wie ein Nachhausekommen – weil du endlich aufhörst zu kämpfen.
〜 ◎ 〜
Ich sehe den Atem mittlerweile nicht mehr als etwas, das verändert oder optimiert werden muss.
Wir dürfen uns aber wieder an unseren natürlichen Atemrhythmus zurückerinnern, an das, was uns von Natur aus leicht fällt.
Das Ziel ist nie ein von außen geführter Atemvorgang.
Das Ziel ist, dass unser System wieder das tun darf, was es von Geburt an immer schon tun möchte.
Wenn wir darum wissen, ist es schon der erste Schritt.
In Endlich ich gibt es einen eigenen Erkenntnisraum zu den beiden Atemrhythmen.
Eine Audio-Anleitung, die dich einlädt, beide Rhythmen zu erspüren – und deinen zu erkennen.
Du musst nicht lernen zu atmen. Du darfst endlich verstehen, wie dein Körper längst für dich atmet.