Unwinding by Gunda · Grundlagen
Wir sprechen über Muskeln, über Bewegung, über Atem, über Entspannung. Doch das, was all das organisiert, liegt eine Ebene tiefer und ist eng verwebt mit unseren Faszien: das Nervensystem.
Es entscheidet, wie wir Spannung halten, wie wir atmen, wie wir uns bewegen – und wie sicher wir uns im eigenen Körper fühlen.
Kein Tool, keine Technik, keine Methode wirkt wirklich, wenn das Nervensystem nicht mitgeht. Das bedeutet nicht, dass eine Methode schlecht ist. Aber das Nervensystem hat immer Vorrang.
Unser Nervensystem hat eine klare Priorität: Sicherheit. Es scannt ununterbrochen den Körper und die Umgebung, greift auf vergangene Erfahrungen zurück. Und entscheidet dabei: Bin ich sicher genug?
Wenn die Antwort Nein ist, bleibt der Körper im Überlebensmodus. Spannung wird gehalten, die Wahrnehmung wird enger, Veränderung wird schwierig – egal wie gut die Absicht ist.
Wenn die Antwort Ja ist, öffnet sich etwas. Die Atmung wird freier, Bewegung variabler, die Wahrnehmung weiter. Der Körper kann wieder seine Aufgaben erfüllen.
Sicherheit ist keine Technik, die man lernen muss. Sie ist ein Zustand, den man erfahren kann.
Modus 1
Das System ist in Alarmbereitschaft. Alle Ressourcen sind auf Schutz ausgerichtet. Die Wahrnehmung verengt sich, die Umgebung wird gescannt, alles ist unter Hochspannung.
In diesem Zustand ist keine echte Veränderung möglich – der Körper tut das Einzige, was er für richtig hält: schützen.
Modus 2
Die meisten Menschen leben hier. Kein akuter Stress – aber auch keine wirkliche Freiheit. Gewohnte Muster, automatisierte Abläufe, man funktioniert halt. Der klassische Autopilot.
Das Nervensystem bleibt im Bekannten. Effizient – aber wenig veränderbar. Vieles läuft, aber inspiriert ist anders.
Modus 3
Wenn Sicherheit wirklich spürbar wird, wechselt das System in diesen Zustand.
Neugier. Offenheit. Wahrnehmung. Das ist der Zustand, in dem Kinder lernen.
Und es ist der einzige Zustand, in dem auch wir Erwachsenen uns weiter entwickeln und kreativ austoben können.
Der Vagusnerv ist der längste Nerv des autonomen Nervensystems. Er verbindet das Gehirn mit Herz, Lunge, Verdauung – und ist maßgeblich daran beteiligt, ob wir uns sicher fühlen oder nicht.
Genauer: Es ist der vordere Vagus, der den Zustand des Erkundens, der Kreativität erst ermöglicht. Er ist der Nerv der sozialen Verbindung, der Neugier, der Offenheit. Und er ist bei vielen Menschen – durch chronischen Stress, durch frühe Erfahrungen, durch Überforderung – kaum noch aktiv.
Unwinding schafft die Bedingungen, in denen der vordere Vagus wieder aktiv werden kann – durch Sicherheit, durch Kontakt, durch Präsenz, durch Erfahrung.
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Unwinding setzt nicht bei der Spannung an, nicht bei der Bewegungseinschränkung, nicht beim Schmerz. Es setzt beim Zustand des Nervensystems an.
Die Frage ist nicht: Was muss weg? Sondern: Was braucht dein System, um sich sicher genug zu fühlen?
Wenn Sicherheit entsteht, wird die Wahrnehmung weiter, feiner. Spannung wird spürbar – nicht als Problem, sondern als Information. Der Körper wird erforschbar. Und das Nervensystem beginnt, diese Informationen zu integrieren. Daraus entsteht etwas sehr Natürliches: Neuorganisation.
In Endlich ich teile ich eine Praxis, die ich selbst mache — in Momenten, in denen ich neben mir stehe, wenn ich zerstreut bin, verwirrt, wenn mir etwas Angst macht oder wenn körperliche Schmerzen mich aus meiner Mitte bringen.
Es ist keine komplizierte Übung, darum lässt sie sich immer und überall anwenden. Sie verankert mich wieder im Raum und im Moment. Und sie öffnet mich wieder für Möglichkeiten.
Unser Nervensystem braucht genau das: nicht eine Technik, sondern eine direkte Erfahrung. Vielleicht ist das auch für dich ein erster Schritt zurück zu dir